Wushu und Yes-Play

Hier habe ich erklärt, was Yes-Play ist: Das (fast) bedingungslose Bejahen von Spielerideen. Dieser Ansatz kommt aus dem Improvisationstheater, und die Erfahrung zeigt, dass durch schonungslose Akzeptanz von Spielervorschlägen Geschichten oft unerwartete Wendungen nehmen – Grund genug also, Yes-Play ins Spiel zu integrieren.

Einer meiner Lieblinge im Indie-Rollenspielbereich ist Wushu. Hier ist durch das Prinzip der Narrativen Wahrheit (principle of narrative truth, PoNT) das Yes-Play schon in die Regeln integriert. Wiederum ein Grund, warum Wushu einen starken Reiz auf mich ausübt.

Außerdem: Wenn Kerstin und ich in eineinviertel Jahren in die USA ziehen, möchte ich mit meiner derzeitigen Gruppe dennoch auf gelegentliches Rollenspiel nicht verzichten. Play-by-mail bietet sich an. Und Wushu ist hervorragend geeignet dafür: Mook-Konflikte benötigen keine Aktionen des Spielleiters und können somit wunderbar in Einzelartikeln behandelt werden (gewürfelt wird auf Vertrauensbasis). Einzig und allein, wenn es an Nemesis-Begegnungen geht, dann wird es etwas komplizierter – aber auch nicht komplizierter als bei anderen Play-by-mails mit anderen Spielsystemen. Wushu steigt also wiederum in meiner Achtung.

Natürlich, einfach zu spielen ist Wushu erst und nur dann, wenn alle Spielbeteiligten das PoNT verstanden haben. Ich fasse mir an die eigene Nase: Als wir letztes Mal Wushu spielten, beachtete ich als Spielleiter gleich mehrere Dinge nicht:
a) die genaue Festlegung des sozialen Vertrags: Ich ließ Aktionen zu, die das vorher vereinbarte Genre störten, legte aber kein Veto ein
b) ich hatte den Spielern nicht ausreichend verdeutlicht, dass sie ebenfalls Vetorecht besitzen
c) die Coup de Grace-Regel: Als Spielleiter beendete ich einen Nemesis-Kampf mit einer finalen Bemerkung (ungefähr so: „Als Reaktion auf diesen Angriff werdet ihr von einer Zehnerschaft Polizisten verhaftet“), obwohl die Stakes der Szene sich genau um diese Frage drehten: „Schaffen es die Helden, der Polizei zu entkommen?“ und obwohl sowohl die Spieler als auch ich noch unsere Erzählrechte hatten (das Chi war nicht auf oder unter 0).

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