Mythic — unser Spieltest

Gestern haben wir Mythic getestet. Kurz vorausgeschickt: Es hält, was es verspricht.

Der Spielervertrag
Wir einigten uns auf den Hintergrund von Unknown Armies. Phranz kam auf die geniale Idee, wie die Charaktere als Gruppe ins Spiel starten könnten: Jeder einzelne der vier hatte in 9/11 einen Angehörigen verloren und wurde in derselben Gruppe betreut. Vier Menschen, vier Schicksale. Und für mich als Spielleiter so viele Flags, dass mir fast schwindlig wurde.

Das Spiel
Nach einer Stunde ersten Einfindens und anfangs zögerlichen Fragen für die Schicksalstabelle flutschte es. Und zwar so gut, dass ich mein Spielleiteramt niederlegte, mir schnell einen Charakter machte und dann gemeinsam mit meinen Jungs spielte. Naturgemäß erfordert ein Spielleiterloses Spiel einen Mehraufwand an out of game-Diskussionen, weil eine lenkende Hand mit letztendlicher Autorität fehlt. Trotzdem gelang es mit den Mythic-Regeln relativ schnell, einige lohnenswerte Plotlines auszugraben.

Was in den Regeln nicht explizit erwähnt wird, aber wichtig für das Funktionieren des Spiels ist, ist die Tatsache, dass die Spieler die Erfolgswahrscheinlichkeit ihrer Schicksalsfragen immer aus Sicht des Plotverlaufs stellen sollten, nicht aus simulationistischer Sicht. Hier kommt einigermaßen stark Tweets „Drama“ zum Tragen, obwohl sich die rules as written lesen wie „Karma“.

Durch den genialen Chaos-Faktor wurden wir einige Male im Verlauf der Geschichte überrascht, auch das ein äußerst angenehmes Erlebnis.

Fazit
Mythic funktioniert. Wir waren uns darin einig, dass es als spielleiterloses Spiel einfach etwas länger braucht, bis ein klarer Handlungsstrang sichtbar wird. Auch das Metaspiel wird deswegen umfangreicher; man muss Szenenfokus und Agenda erst herausarbeiten. Für mich als alten Immersionisten ist das ein klarer Minuspunkt. Was uns ebenfalls allen auffiel: Je länger wir spielten, desto weniger benutzten wir die Würfel. Alte Gewohnheiten, schließlich sind wir alle würfellose Spieler. Mythic hat uns bewiesen, dass es funktioniert. Aber auch, dass wir trotzdem lieber komplett würfellos spielen.

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