Und welches Hobby spielst du?

Zwei aktuelle Diskussionen (hier, auf Vermis Wilde Lande-Blog), und hier, auf dem Grofafo), zeigen wieder mal in aller Deutlichkeit, wie unterschiedlich das Hobby Rollenspiel sein kann.

Oder besser: dass man eigentlich nicht von einem einzigen Hobby sprechen kann.

So gibt es, und ich mag jetzt ausdrücklich nicht irgendwelche rollenspieltheoretischen Begriffe verwenden, die Spieler, die sich gerne tief in eine Rolle hineinversetzen, mit ihr zu verschmelzen versuchen. Dies geht ganz automatisch mit einer, zumindest teilweisen, Verschmelzung mit dem Gescehen auf der Spielwelt einher. Die Sicht dieser Spieler wird für die Dauer des Spiels fokussiert auf die Sicht des gespielten Charakters und seiner Umgebung. Nur ungern unterbrechen sie den Fluss des Spiels, um etwaig notwendige Meta-Klärungen zu erledigen. Dies ist die Gruppe von Spielern (und natürlich Spielleitern), die möglichst wenig explizite Regeln (oder am besten gar keine) haben will. Aus ihrer Sicht ist, allen Forge-Theoretikern zum Trotz, die Aussage richtig: „Keine Regeln!“

Und dann gibt es da die Gruppe der Spieler, die Regeln wollen, um ihre Charaktere zu spielen. Ihr Antrieb ist es nicht, möglichst tief in den Charakter einzutauchen und die Welt mit seinen Augen zu sehen. Für sie ist der Charakter das Vehikel, mit dem sie die Welt erkunden oder Geschichten erzählen. Skyrock etwa sagt: „Echte Spannung muss aus den Regeln und nicht aus der luftleeren Erzählung kommen. Wenn der große Cthulhu nur im Erzähltrip des SLs groß ist dann hat er den emotionalen Einschlag der Tischmaserung in der Kneipe.“
Damit macht er deutlich, was Erzählung, also Rollenspiel, ohne (explizite) Regeln für ihn ist: luftleer.

Nun könnte ich mich als dezidierter Freeformer und bekennender Regelhasser zu irgendeiner Bemerkung durchringen, die meinen Spielstil als den alleinig glückselig machenden preist und den anderen als den Weg in die Verdammnis. Mache ich aber nicht. Weil ich schön langsam erkennen muss, dass es den richtigen Weg des Rollenspiels nicht gibt.

Zeit für eine Revolution? Nein.

Aber Zeit, unser Hobby als das zu sehen, was es ist: viele verschiedene Wege, seine Freizeit zu verbringen.

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3 Antworten zu “Und welches Hobby spielst du?

  1. Amen. Aus diesem Grund versagen auch alle Anleitungen und Tips zu „gutem Rollenspiel“, die ihre Ziele und den verfolgten Spielstil nicht klar angeben.Wobei ich nichts gegen konsequent spielende Immersionisten habe, die auch konsequent geeignete Regeln verwenden wie Everway. (Auch wenn mir diese Form von Rollenspiel immer so fremd sein wird wie Marsmännchen – ich kann theoretisch die Spaßquellen erkennen und nachvollziehen, aber ich kann diese Spaßquellen gleichzeitig nicht oder nur am Rande nutzen.)Mein Kopfschütteln gilt viel mehr Schummel-Erzählspielern die auf eine ungeeignete Regelchassis wie DSA Metaregeln aufsetzen, welche die Chassis wieder umständlich durch die Goldene Regel demontieren, und mein heiliger Zorn gilt denen die anderen diese umständliche Form von Rollenspiel anderen als „richtiges Rollenspiel“ aufdrängen wollen.

  2. Hi Skyrock. Hm, ich sehe das entspannter. Wenn Leute meinen, sie müssen aus DSA ein Immersionsspiel machen, dann sollen sie das tun. Und, der Goldenen Regel sei Dank, kann man ja jedes Spiel in ein anderes verwandeln. Wertungen wie „Schummel-Erzählspieler“ finde ich fast zu hart. Das sind halt Leute, die, aus welchen Gründen auch immer, dieses Regelwerk zu ihrem System gemacht haben. Jedem das seine. Bei uns in Bayern gibt’s den Spruch: „Wenn’s schön macht, dann is guat“.

  3. Das Problem liegt nicht bei „Schummel-Erzählspielern“ an sich, sondern bei SL, welche ihren Spielern suggerieren, dies sei die „einzig wahre“ Art Rollenspiel zu betreiben (oft weil sie das selbst glauben).Wenn den Spielern das keinen Spaß macht, dann müssten diese sich halt „mehr anstrengen“ (ja, das ist lächerlich, aber es gibt tatsächlich SL die das glauben).Genauso gibt es auch SL, welche dasselbe mit grim&gritty-Horror oder schonungslosem Taktikk(r)ampf betreiben, also kein Alleinstellungsmerkmal der „Story“-Fraktion

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