Nichts wert: Spielbalance.

In Zeiten allgegenwaertiger Anti-Diskriminierung und damit einhergehender Gleichschalterei taucht des oefteren mein Lieblings-Unwort im Bereich der Rollenspiele auf: Spielbalance. Das postmoderne Credo lautet hier, dass sie wichtig sei, um sicherzustellen, dass sich die Spieler nicht benachteiligt fuehlen.
Waehrend mein Old School- und mein Kampfsportler-Herz gleichzeitig versucht sind, „Ihr verfickten Schlappschwaenze! Ihr persoenlich seid verdammt noch mal dafuer zustaendig, im Spiel Spass zu haben!“ zu rufen, waehle ich den anderen Weg: den der Erklaerung.

Die alten D&D-Versionen sind Werkzeuge zur Exploration der Spielwelt. Anders als bei der 3. Auflage oder allen anderen danach, geht’s hier nicht darum, die clever ausbalancierten, fuer den jeweiligen Charakter zur Verfuegung gestellten Bausteine taktisch und strategisch gewinnschoepfend einzusetzen, sondern einfach darum, mit seinem Charakter Spass zu haben.

Wir erinnern uns: Ein oder zwei Jahre nach Basic D&D kam bereits T&T auf den Markt, und danach AD&D, und nur sieben Jahre danach DSA 1. Das sind eine ganze Menge an echten Old School-Spielen, die keinen besonderen Wert auf Spielbalance legen:

1) Es gibt keine Regelung fuer „Spotlight Time“.
2) Es gibt keine Regelung fuer austarierte Attributwerte (3w6 go!).
3) Es gibt so gut wie keine taktischen Bausteine, die die Spieler zum Tuefteln bewegen.

Die echten alten Knochen im Rollenspiel sind also phaenomenal unbalanciert — und haben trotzdem funktioniert; mal schlechter, mal besser, wie jedes andere Spiel auch. Gefragt war hier also nicht ein ausbalanciertes Regelwerk, sondern das Geschick des Spielleiters.

Mein Fazit also: Spielbalance ist nichts wert.

5 Antworten zu “Nichts wert: Spielbalance.

  1. Oh, hier sieht man den Auffassungsunterschied von „Spielbalance“. Ich habe gerade D&D in der dritten Editition als absichtlich unbalanciert beschrieben. Im Gegensatz dazu ist gerade DSA1 hochgradig ausgeglichen.

  2. Ich finde diese ganzen Diskussionen über Spielbalance lenken nur vom eigentlichen Punkt ab: Leute haben unterschiedliche Geschmäcker.

    Die alten Zeiten waren nicht besser, sie waren anders.
    Die neuen Zeiten sind nicht besser, sie sind anders.
    Die kommenden Zeiten werden nich besser sein, sie werden anders sein.

  3. Endlich mal jemand, der mir vollkommen aus dem Herzen spricht! Regelwerkreiterei ist einfach für die Füsse. Wo sind die ganzen Oldschoolsachen, in denen man sich als Gruppe bewegte, vom Spielleiter immer mal wieder eine aufs Dachs bekommt, damit man nicht zu übermächtig wird. Immer das Bewußtsein, dass man doch nur ein kleines Rädchen im großen Räderwerk des Schicksals ist.

    Gruß

    AMUNO
    (oldschool DSA)

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