DSA: Wider die Kontinuitätsnazis und Faul-aufm-Arsch-Sitzer

Interessante Diskussion auf Tanelorn. Fast erwartungsgemäß kamen die Antworten gewisser DSA4-Involvierter auf meine Kritikpunkte am neuen System.

Meine Punkte im Einzelnen:

DSA1 kann in Sachen Eleganz, Universalität und Abenteuertauglichkeit des Regelwerks bequem und locker mit OD&D, Basic D&D oder Rules Cyclopedia mithalten.

DSA1 (Basis, Ausbau, Werkzeuge und „Das eherne Schwert“) war GROSSE WURF der deutschen Rollenspielszene. Sowohl Umfang als auch Reichweite der Regeln entsprachen ungefähr dem frühen D&D — und mit dem konnte und kann man ja auch so gut wie alles machen.

Das Talentsystem mit 3W20, das neue Magiesystem und die fortlaufende Geschichtsschreibung waren verantwortlich dafür, dass die Entwicklung sowohl von DSA als auch von Aventurien den Bach runter ging.

Alles, was DSA von allen Konkurrenten unterschied (deutsche Ungeheuer, deutschelnde [Orts]namen, reimende Zaubersprüche, das Dunkelmärchenhafte), wurde getilgt. Seit DSA3 ist das Regelwerk ein mit Regelungen vollgepropftes Sammelsurium, und Aventurien ist totdefiniert.

Die Einführung des Metaplots, die Erhebung des Boten zum Kanon-Organ, um den Metaplot nicht zu gefährden, und die Löschung der DSA1-Abenteueransätze, um den Kanon aufrecht zu erhalten — alles Fehler, die DSA4 zu einem regelwütigen Ungetüm machen, das typisch negativdeutsch verwaltet, reguliert und verbietet.

Woraufhin man mir antwortete:

Lustig übrigens, dass die Schuld bei den Kontinuitätsnazis liegt. Alle Leute in der Redaktion, die die Abkehr von DSA 1 zu verantworten haben, sind lange tot!

Aber es geht nicht darum, wer es verbrochen hat. Es geht darum, dass es jemand verbrochen hat.
Ich schlug vor, einen neuen DSA-Spielzweig zu eröffnen: DSA Old School, eine Neuauflage der DSA1-Regeln.

Worauf man mir antwortete:

Es erfordert schon einige unternehmerische Tollkühnheit, im Jahr 2001 auf den Stand von 1984/85 zurückzugehen, findest Du nicht?

Interessant. Myranor läuft schließlich auch. Die Nachricht über die DSA-Settingboxen wurden großteils begeistert aufgenommen. Die Retrobegeisterung nicht auszunutzen und vielleicht komplett neue Märkte für das einfache DSA zu erschließen, ist in meinen Augen unternehmerisch visionslos, bequem und bräsig. Genau so, wie DSA4 sich anfühlt.

Das gängige Argument der DSA4-Faul-aufm-Arsch-Sitzer lautet, dass DSA1 vielleicht nur von DSA1-Fans gespielt würde. Lassen wir das mal so stehen und fassen wir zusammen: Momentan bedient DSA4 die DSA4-Fans — und man macht Umsatz damit. Die derzeitige Retrowelle berücksichtigend und sich daran erinnernd, dass man ein Paar Eier in der Hose hat, könnte man sich verlagsseitig dazu entschließen, ein Retro-DSA rauszubringen, so wie man es mit dem Güldenland auch gemacht hat. Derzeit gilt also: Umsatz durch DSA4 und Myranor.

Nun würde vielleicht dieses Retro-DSA nur Retro-DSA-Fans bedienen. Und genau damit hätte man zusätzliche Käuferschichten erschlossen. Dann gülte: Umsatz durch DSA4, Myranor und Retro-DSA.

26 Antworten zu “DSA: Wider die Kontinuitätsnazis und Faul-aufm-Arsch-Sitzer

  1. Man sieht ja am Erfolg der Retro-Klone gerade in den USA und GB, dass die alten Systeme auch im Jahr 2009 noch absolut Spaß machen!

    Es gibt sogar einen englischen Klon der Regeln von DSA1!

    • Genau das, Moritz. Aber das geht voellig an den D&D/DSA4-Machern in ihren Elfenbeintuermchen vorbei. Derweil ueberholt sie das Fandom von rechts, und sie sind immer noch zu doof, es zu bemerken. (Der englische Klon ist uebrigens sehr schoen 🙂 )

    • Du verstehst nicht, was ich geschrieben habe.
      Es geht nicht darum, wie geschehen, die DSA1-Basisbox neu zu veroeffentlichen (obendrein OHNE die regeltechnisch wegweisende Ausbaubox), sondern darum, DSA1 zu einer verlagsseitig aktiv unterstuetzten Reihe zu machen, so wie es mit DSA4 und Myranor geschieht.

  2. Man muß allerdings auch Autoren haben, die Zeit haben, sich um das Projekt zu kümmern. Und daran fehlt es Ulisses vielleicht.

    • Ich weiss nicht recht, Christoph. Ich vermute eher, es liegt einfach an simpler Untaetigkeit bei Ulisses. Da wird mal schnelle ein Jubilaeums-DSA1-Reprint rausgehauen, zu einem Preis, der absolut induskutabel ist, aber das ist eher ein Gag („haha, schaut mal, so haben die frueher gespielt“) als ernstgemeinter Anlauf, eine neue Reihe auf die Beine zu stellen.

      Fuer DSA4 finden sich ja auch genuegend Autoren, und das, obwohl es weit komplizierter ist als DSA1.

    • Mein Satz lautet: „(…) könnte man sich verlagsseitig dazu entschließen, ein Retro-DSA rauszubringen, so wie man es mit dem Güldenland auch gemacht hat.“

      Die grammatikalische Konstruktion dahinter ist der Vergleich. Anders gesagt: „Man koennte ein Retro-DSA rausbringen, so wie man ein Güldenland-DSA rausgebracht hat.“

      Das hat nichts mit der Qualitaet von DSA1 und dem Güldenland zu tun.

      Angekommen?

      • OK.

        Tatsache ist: Myranor praktiziert genau die „Totdefiniererei“, welche du im letzten Blogpost anprangerst und das in einer besonders hinterfotzigen Weise (indem man öffentlich Kanon ablehnt, ihn aber über die Hintertür zur einzigen Alternative macht).

      • Alexandro, verstehst du, mir ist Myranors Inhalt voellig scheissegal! Es geht mir einzig und allein um die Tatsache, dass das Gueldenland einen eigene Verlagsreihe bekommen hat.

        Damit das voellig klar ist: Es ist mir wurscht, ob Myranor totdefiniert oder nicht! Es ist mir wurscht, ob auf Myranor Heinzelmaennchen rumlaufen oder Tigermenschen in Frack und mit Zylinder. Scheissegal. Myranor koennte auch Nullachtfuffzehnland heissen, mir egal, egal, egal!

        Myranor ist ein offiziell unterstuetztes Spin-off von DSA geworden, darum geht’s!
        Das koennte man mit Retro-DSA auch machen, aber die DSA-Verantwortlichen sind zu braesig, das Potential zu erkennen — das ist die Aussage meines Artikels.

      • Hab dich schon verstanden, aber Myranor ist eben ein *Spin-Off* zu DSA, keine „Parallelwelt“, in der alles an DSA2 nicht mehr existiert.

  3. Also ich hörte auf dem Nordcon von verlagsseite, dass man Myrandor als Spielfeld für jene bereithalten wolle, die den Metaplot als einengend empfinden.

    Vielleicht ist Myrandor + DSA1 die Lösung?

  4. Ein Spielansatz, der mehr Entscheidungsgewalt in die Hände der Gruppe, deren Ideen und deren Kreativität legt, halte ich für voll und ganz fantastisch.

    Warum man das mit diesem elenden „Retro“-label zukleistern muss, ist mir aber ein Rätsel.

    • Was dem einen elend, ist dem anderen wunderbar. Ausserdem: „Retro“ deshalb, weil ich nicht nur fuer die Abkehr vom Metaplot plaediere, sondern auch fuer die Wiedereinfuehrung des genialen DSA1-Regelwerks.

      • Ich find diese Überhöhung des „Retro“-Stils zum Heilsbringer der Rollenspielszene ziemlich zweifelhaft. Natürlich sind die alten Spiele gut, aber halt auch verbesserungsbedürftig.

        Letztens habe ich erst wieder feststellen können, dass erwachsene Menschen sehr viel Spaß am Spielen von Rollen haben können und Berührungsängste weit schneller verschwinden, als viele Rollenspieler denken. Aber ohne eine vernünftige Anleitung wird das ganz schnell zu einem Wettkampf darum wer das bisher Gesagte besser zu seinem Vorteil manipulieren kann.

        Das Problem ist meiner Meinung nach nicht die Komplexität der neuen Regelwerke, sondern die Tatsache dass sie nicht mit einem guten SL mitgeliefert werden. Ein schlichtes Regelwerk (wie DSA1) macht es nicht einfacher zum guten SL zu werden, es nimmt einem nur einige Gründe, zu einem schlechten SL bzw. „Kontinuitätsnazi und F-a-A-Sitzer“ zu werden.

        Und ein guter SL ist nicht jemand, der irgendwelchen Doktrinen nachläuft; sondern jemand der seinen eigenen Stil umsetzt, sozialkompetent genug ist, um die Anderen am Tisch miteinzubeziehen und Spielbegeisterung bei ihnen wecken kann. Ein weiterer Grund weshalb ich „Retro“ für ein ungeeignetes Banner halte, um das Beste aus dem Rollenspiel zu holen. Es hängt sich an Formalien („damals vs. jetze“) auf, wenn man sich mit Inhalten beschäftigen sollte.

  5. Was meinst du denn dann?

    A) DSA1 wiederauflegen (kann nicht sein, da schon passiert)
    B) DSA1 als vollwertige Produktlinie (würde irgendwie dem letzem Blogeintrag und dem Wunsch nach „Offenhaltung“ wiedersprechen).
    C) Einstellung von DSA4
    D) ???

    • ad a) DOCH! Ich spreche von einer Wiederauflage von DSA1, aber nicht als doofes Jubilaeumsdruckwerk, das nur die DSA1-Basisbox beinhaltet, sondern als verlagsseitig unterstuetzte Reihe, genau wie das unselige Gueldenland. Das „25 Jahre DSA“-Machwerk koennen sie sich an den Hut stecken. Ich rede von einer Neuauflage ALLER DSA1-Boxen.

      ad B) Natuerlich wuerde eine eigenstaendige DSA1-Produktlinie ueberhaupt nicht dem offenen Ansatz wiedersprechen. Ging doch zu DSA1-Zeiten auch, und ging noch viel laenger bei D&D.

      ad C) Du liest verdammt noch mal nicht, was ich schreibe!

      • Ganz ruhig, Brauner. C) war nur um noch ein Option reinzubringen, damit die Viere voll sind. 😉

        Und du wirfst mir vor, ich würde dich nicht verstehen:
        1.) Myranor + Neu-DSA = Herz
        2.) Retro-DSA + Neu-DSA = Schmerz

        NICHTS ANDERES habe ich geschrieben.

      • Ich habe immer mehr den Eindruck, dass ich DICH nicht verstehe… also, um es genauso kurz zu machen wie du:
        1) DSA4 = Schmerz
        2) DSA4, DSA1, Myranor und andere Produktlinien = Herz

  6. Targunithread!
    😉
    Ich verstehe die Diskussion nicht so ganz: wer DSA nach DSA1 Regeln spielen will, kann das doch einfach tun? Das Regelwerk ist erhältlich, viele alte Abenteuer auch. Viele der neuen Abenteuer – gerade die, die nicht im Metaplot verwoben sind – kann man ohne großen Aufwand nach DSA1,2,3, (sogar nach D&D, MIdgard oder sonstwelchen) Regeln spielen. Ich glaube nicht, dass es sich für den Verlag lohnen würde, eine Extralinie „DSA1“ herauszubringen, allerdings könnte man das recht einfach testen, indem man (im Heft oder besser als runterladbarer pdf) für ein paar passende AB zusätzlich DSA1 Werte angeben würde und dann z.B. die Zahl der Downloads als Anzeiger für das kommerzielle Potential nimmt.
    Ich (DSA1-4 Erfahrung seit `87) halte den Metaplot per se für eine der Stärken von DSA, auch wenn ich nicht von jedem Detail begeistert bin, aber das kann man natürlich anders sehen. DSA4.1 halte ich in vielen Dingen für zu kompliziert, Verbesserungen gegenüber den Vorversionen sehe ich nur in der Einführung der Vorteile und Nachteile, da sie die SCs „griffiger“ machen können sowie im Magiesystem, bei dem jetzt bei vielen Sprüchen der Effekt von der Fähigkeit des Magiers im jeweiligen Spruch abhängt und nicht davon, dass die Eigenschaftswerte möglichst hoch sind. Letztendlich sind aber die Spieler (und die Spielwelt) entscheidend für Spielspaß und nicht das Regelwerk.
    Nice dice allen,
    Eisvogel

  7. Hm, Umsatz würde auf jeden Fall generiert werden, aber ob auch Gewinn?

    Was stellst du dir den wirklich vor, dass für dieses DSA-Klassik rauskommt? Einfach nochmla alles von DSA1? (Hat man eh schon oder bekommt man über Ebay) Neue DSA1 Produkte quasi Plotlos? Zusätzliche Stats in Plotlosen DSA-Abentuerern? Was ganz anderes?

    Was soll die Retrogemeinde den kaufen? Die sollte doch eh schon alles haben.

    • Ich bin mir sicher, es würde Gewinn rauskommen. Alles andere ergibt ja keinen Sinn, Florian.

      Für DSA Klassik stelle ich mir ein (wie auch immer) erneuertes, erweiterbares, modulares und vor allem einfaches Regelsystem vor, flankiert von Abenteuern (ohne Metaplot, so wie es auch D&D seit Anbeginn seiner Existenz vormacht) und Quellenbänden (die aber KEIN Kanon sind).

      Wenn es möglich ist, Abenteuer mit Metaplot zu schreiben, wie eben für DSA 2 und aufwärts, dann ist es viel, viel einfacher, Abenteuer OHNE Metaplot zu schreiben, weil eben nichts in den Metaplot eingepaßt werden muß. Einfachere Bearbeitung = weniger Zeitaufwand = mehr potentielle Abenteuer = mehr potentieller Umsatz = mehr potentieller Gewinn.

  8. Hm, Quellenbände die offiziel nicht Kanon sind? Selbst wenn der Verlag das so machen würde, die Nutzer würden diese wieder zum Kanon erheben.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s