Shadowrun ohne Zickereien: Risus „9mm“: Computer

„Decking“ lautete das Kunstverb, das sich durch die ersten paar Auflagen von Shadowrun zog und das wohl als langweilig erachtete „Hacking“ ablösen sollte. Mir kam es immer schon seltsam vor, was auch der Grund war, daß bei uns in der Gruppe gehackt, aber nicht gedeckt wurde. Heute also: die 9mm Hacking-Regeln.

Wie heiß ist dein Deck, Chummer?

Beim Hacken geht’s nicht um Hardware und Programme, sondern um Einfallsreichtum und Mad Skillz. Der wichtigste Faktor beim Hacken ist der Hacker… Entweder hat er Hardware, die seine Fertigkeiten ausbremst (und in die Hände von Möchtergern-Netrunnern und Kindern gehört), oder er reitet ein scheißheißes Deck, das seine Skillz unterstützt und ihn wirklich fliegen läßt.

Die Frage lautet also: Wie heiß ist den Deck?

Ein Hacker kann mit jedem Computer ins Netz. Abhängig vom Bautyp kostet es mal mehr, mal weniger, um ein Drekdeck in ein scheißheißes Deck zu verwandeln. Die Rechenkraft eines Computers hat direkten Einfluss auf das Klischee des Hackers. Wir nennen sie ab jetzt „Crunch“.

Crunch

Crunch bestimmt, wieviel seiner Klischeewürfel ein Hacker benutzen kann, wenn er mit einem Computer hackt.
Ein Drekdeck reduziert das Klischee um 4 Würfel.
Ein Najadeck reduziert das Klischee um 3 Würfel.
Ein Joe Runner-Deck erlaubt den Einsatz des vollwertigen Klischees.
Ein nettes Deck verbessert das Klischee um 1 bis 2 Würfel.
Ein scheißheißes Deck verbessert das Klischee um 3 bis 3+n Würfel.

Die Hardware: Speicher

Gespeichert wird auf Flüssigkristall-Matrizen, LCs genannt (LC, „liquid crystal“).
LC-Tabs („tab matrix“) sind ungefähr 5×5 Millimeter groß (und 1mm dick) und fassen 20 Programme.
Cube Matrix ist die nächstgrößere Speichereinheit und ist ungefähr so groß wie ein Zuckerwürfel. Auf eine Cube passen mehrere hundert Programme.
Stick Matrix ist die größte kommerzielle Speichereinheit und faßt mehrere tausend Programme.

Alle Speichereinheiten kosten verschwindend geringe Summen.

Die Hardware: Computer

In den 9mm-Regeln gibt es vier verschiedene Computertypen.

Mainframes: die großen Maschinen, Goliaths, die unvorstellbar viele Rechenoperationen ausführen können. Vielfach parallel geschaltete Prozessoren, die neueste Technologie, unglaubliche Power. Wer mit einem Mainframe hackt, hackt mit dem Besten, was es derzeit gibt. Der Nachteil: unglaublich teuer (auch ein reicher Charakter hat Probleme, das finanziell zu stemmen).

Personal Computer: das, was jeder zuhause hat. Verglichen mit den Krücken des frühen 21. Jahrhunderts, sind die neuen PCs Kraftprotze. Auch sie können viele Programme parallel laufen lassen. Sie sind wahre Alleskönner, die nicht allzu viel kosten (ein Angestellter muss nicht allzu lange sparen, bis er sich so eine Maschine leisten kann).

Minicomputer (Organizer): ungefähr so groß wie ein Handy. Minis können alles das, was PCs können, nur sind sie langsamer und nicht ganz so stark. Problematisch wird’s beim Hacken, denn Minicomputer gelten automatisch als Drekdecks. Ein Angestellter kann sich einen Organizer problemlos (ohne sparen zu müssen) kaufen.

Cyberdecks: Die haben im 20. Jahrhundert noch nicht existiert. Üblicherweise ohne Bildschirm, dafür mit einem Satz Kabel zum Einstöpseln oder Elektroden zum Aufkleben. Cyberdecks werden nur zu einem Zweck gebaut: den User durch das Netz zu tragen. Die Rechenleistung eines Decks liegt weit über der eines modernen PCs, aber immer noch unterhalb der eines Mainframes. Auch Speicherplatz ist knapp: Die meisten Decks haben Platz für einen LC-Tab. Cyberdecks gibt es in allen Preisklassen (selbstverständlich nach oben hin offen).

Die Hardware: Computer aufrüsten

Klar, du kannst in den nächsten Decks’R’us gehen und dir ein Deck von der Stange kaufen. Das fühlt sich gut an, für dich und den Verkäufer, aber so richtig glücklich wirst du damit vermutlich in der Matrix nicht werden. Die Lösung für einen Hacker, der zumindest einen Funken Stolz in seinem grauen Herz trägt, lautet natürlich: aufrüsten.

Nun könnte ich seitenweise Listen um Listen veröffentlichen, mit fein austarierten Bauteilen für jeden Computer (nebst spielrelevanten Werten). Aber das ist nicht das Risus, wie es mir für Shadowrun vorschwebt. Stattdessen präsentiere ich die

Universelle Computerbauteil-Liste
Einfach mit 1W4 und 2W6 würfeln, so oft man will, ablesen und die Fantasie spielen lassen. Der Spielleiter legt fest, wie lange der Charakter sparen muss, um sich das Teil leisten zu können, es einzubauen – und wann der Crunch des Decks durch das neue Bauteil steigt.

W4-W6-W6—Bauteil
1 1 1 active
1 1 2 ASIST
1 1 3 central
1 1 4 Ihara-Grubb
1 1 5 checksum
1 1 6 cranial
1 2 1 defensive
1 2 2 Digital-to-analog
1 2 3 internal
1 2 4 Laser-optical
1 2 5 Master Persona Control Program
1 2 6 passive
1 3 1 phnatom
1 3 2 plugrom
1 3 3 primary
1 3 4 fuzzy logic
1 3 5 subrouter
1 3 6 proactive
1 4 1 reactive
1 4 2 simsense
1 4 3 system
1 4 4 quantum
1 4 5 universal
1 4 6 virtual
1 5 1 coda machine
1 5 2 offline
1 5 3 microcircuit
1 5 4 fiberoptic
1 5 5 neural
1 5 6 Tight-beam
1 6 1 diagnostic
1 6 2 external
1 6 3 backup
1 6 4 hardening
1 6 5 block process
1 6 6 buffer control
2 1 1 wireless
2 1 2 broadband
2 1 3 lasertel
2 1 4 microwave communication
2 1 5 satellite
2 1 6 iconographic
2 2 1 data
2 2 2 multiplexing
2 2 3 construct
2 2 4 deception
2 2 5 downshift
2 2 6 phasegrader
2 3 1 feedback
2 3 2 linkthru
2 3 3 flow control
2 3 4 guardian
2 3 5 Null-operating
2 3 6 encryption
2 4 1 communicator
2 4 2 decyphring
2 4 3 Heat-ressource
2 4 4 interface
2 4 5 IO bridge
2 4 6 neuraljack
2 5 1 universal matrix symbolism
2 5 2 read/write
2 5 3 keyboard
2 5 4 liquid crystal
2 5 5 load/resistance
2 5 6 lockout
2 6 1 logon
2 6 2 memory
2 6 3 motherboard
2 6 4 output bridge
2 6 5 passcode
2 6 6 overload
3 1 1 information
3 1 2 overpatch
3 1 3 port
3 1 4 power flux
3 1 5 RAM-bus
3 1 6 redundancy
3 2 1 serial ID
3 2 2 shockbolt
3 2 3 shutdown
3 2 4 steepstate
3 2 5 slam
3 2 6 verification
3 3 1 wavemaker
3 3 2 cooling
3 3 3 Bit-to-synapse
3 3 4 keyboard
3 3 5 electrode
3 3 6 terminal
3 4 1 battery
3 4 2 code
3 4 3 recognition
3 4 4 radio
3 4 5 vox
3 4 6 holo
3 5 1 synch
3 5 2 smart
3 5 3 power
3 5 4 gloves&goggles
3 5 5 optic
3 5 6 assembly
3 6 1 bios
3 6 2 booster
3 6 3 box
3 6 4 chip
3 6 5 converter
3 6 6 cutout
4 1 1 diverter
4 1 2 driver
4 1 3 grid
4 1 4 heatsink
4 1 5 inhibitor
4 1 6 interpreter
4 2 1 manager
4 2 2 matrix
4 2 3 monitor
4 2 4 relay
4 2 5 router
4 2 6 conch
4 3 1 sensor
4 3 2 stabilizer
4 3 3 unit
4 3 4 switcher
4 3 5 twit
4 3 6 selector
4 4 1 rack
4 4 2 cable
4 4 3 flipswitch
4 4 4 gate
4 4 5 transcriptor
4 4 6 backlink
4 5 1 shielding
4 5 2 reader
4 5 3 processor
4 5 4 cache
4 5 5 generator
4 5 6 Re-router
4 6 1 engine
4 6 2 connector
4 6 3 overpass
4 6 4 grindcore
4 6 5 leftbrain synchronizer
4 6 6 chartcoder

Als Beispiel:
Pete (Wohlstandsstufe Arbeitnehmer) besitzt ein Fuchi XR6. Es ist ein Joe Runner-Deck, schränkt ihn also nicht ein, wenn er hackt — aber hilft ihm auch nicht. Nach einem erfolgreichen Run möchte er sein XR6 aufrüsten, um es irgendwann zum netten Deck zu machen.

Petes Spieler würfelt dreimal auf der Tabelle:
1-3-5: subrouter
2-4-6: neuraljack
1-5-1: coda machine

Nach ungefähr 6 Wochen, so legt der Spielleiter fest (er hat 1W6 gewürfelt) schafft es Pete, die Sony Subrouter Neuraljack Coda so in sein Deck zu integrieren, dass es reibungslos läuft. Es kostet drei bis vier monatliche Ersparnisse und macht das alte XR6 zum Najadeck, indem es Petes Hackerklischee um 1 Würfel steigert.

Was ist die Subrouter Neuraljack Coda?
Keine Ahnung; aber mit etwas Fantasie lassen sich da sehr technisch klingende Erklärungen finden.

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