Anti-Einkaufslisten-Rollenspiel.

Ich bin vielleicht der größte Verachter von seiten- oder (oh Graus) bücherlangen Ausrüstungslisten. Diese Art von Rollenspielzubehör verkörpert alles das, was ich nicht in meinem Spiel sehen möchte. Zudem gesellt sich zu dieser recht altertümlichen Einstellung auch eine gewisse, über die Jahre gewachsene Arroganz, daß ein Spielleiter, der seinen Titel verdient, auch in der Lage sein muß, sich spontan Preise für Dinge zu überlegen, die seine Spieler für ihre Charaktere haben wollen.

Derzeit schreibe ich ja gerade die Shadowrun Erstauflage für Wyaul Hyoiwto um, und eines der ersten Dinge, die abdanken müssen, ist das gesamte Ausrüstungskapitel.

Und trotzdem möchte ich das Spielgefühl der Pink Mohawk-Edition nicht über Bord werfen; dazu gehört auch, Audi sei Dank, das typische „Vorsprung durch Technik“-Gefühl. Aber die Listen müssen trotzdem weg. Es muß einen Weg geben, das anderweitig zu bewerkstelligen.

Gestern nun habe ich einen einfachen Weg gefunden, Ausrüstung sehr individuell, aber trotzdem ohne Listen im Spiel zu behandeln. Ich schrieb für Cyberdecks, Cyberware, Waffen und Fahrzeuge (ultra)kurze Tabellen, die jeweils den Grundpreis der Ausrüstung, und danach die Kosten in Nuyen pro 1 Punkt (5%) Verbesserung auf die Würfelproben auflisten. Cyberdecks etwa kosten im Grundpreis 20.000 Nuyen, und pro 1 Punkt Verbesserung steigt der Preis um 30.000 Nuyen, und ab dem 4. Punkt Verbessung kostet jeder Punkt dann 70.000 Nuyen.

Die einfache Struktur von Wyaul Hyoiwto kommt mir hier sehr entgegen: Regelmechanisch äußert sich jeder Vorteil für den Charakter einfach als Abzug auf den Würfelwurf, je tiefer das Ergebnis, desto besser. Somit spielt es für meine Shadowrun-Anpassung auch keine Rolle, ob ein Charakter diesen Vorteil durch Bio-, Cyber- oder Nanoware bekommt, und wie die Ware genau funktioniert. Ein Vorteil ist ein Vorteil, der in Punkten ausgedrückt wird, egal, ob er durch Wired Reflexes, Move-by-wire oder Dermal Plating (oder, oder, oder) erzielt wird.

Dieses Vorgehen wiederum erspart mir alle Listen und macht mich zum glücklichen, stressbefreiten Spielleiter.

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4 Antworten zu “Anti-Einkaufslisten-Rollenspiel.

  1. Ich kenne den Kontext nicht wirklich, aber für mich und die Leute, die ich kenne, war das Aussuchen und Nutzen der richtigen Ausrüstung einer DER interessanten Punkte von SR. Wenn Du also das Spielgefühl des ORiginals auch in dem neuen System zumindest grob beibehalten willst, wirst Du ohne Ausrüstung wohl scheitern. Aber kann ja auch sein, dass Du das nicht willst.

    • Hi! Nein, das Scheitern wird wohl ausbleiben 🙂 Wir haben jahrelang so gespielt 🙂 Unser beste und längste SR-Kampagne haben wir so gespielt…

  2. Na dann wirst Du Dein Spielgefühl sicherlich transferieren. Mein Spielgefühl und das der Leute, die ich kenne wird aber auf der Strecke bleiben, da bin ich mir ziemlich sicher. Wie groß die Gruppen insgesamt sind, ist aber rein spekulativ und auf welche Du zielst ist natürlich Deine Wahl.

    • Uns ist auch schon aufgefallen, daß die meisten SR-Gruppen eher auf das Zeug stehen, was von offizieller Seite her seit der Zweitauflage fabriziert wird. Da wird gehartwurstet, daß sich die Balken biegen… unser Spielgefühl orientiert sich eher an der ersten SR-Romantrilogie oder an der ersten SR-Spielprosa denn an den Listen und Aufzählungen.

      Die offiziellen Regeln waren für uns wirklich nur 1989-1991 relevant, danach haben wir mit dem würfellosen Spiel angefangen — für uns war dieser Schritt eine absolute Bereicherung.

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