Hörst du auf deine Spieler?

Alte Weisheit: Das schönste vorgeplante Abenteuer explodiert in tausend Teile, wenn es zum ersten Mal mit den Spielern in Kontakt kommt. Und viele Spielleiter sind daraufhin enttäuscht, aber nicht etwa von ihren unnötigen Planungen, sondern von den Spielern… dabei ist das Thema Abenteuerplanung im Rollenspiel in Wirklichkeit ganz einfach.

Im folgenden Artikel erkläre ich kurz, wie man Abenteuer zumindest in den gröbsten Zügen planen kann, ohne die Spieler auf Eisenbahnschienen zu setzen. Dabei ist der wichtigste Punkt: Wir treffen uns, um miteinander zu spielen. Rollenspiel ist eine durch und durch soziale Angelegenheit, deshalb ist Kommunikation im Vorfeld ganz besonders wichtig. Ohne Kommunikation entstehen Missverständnisse, aus Missverständnissen entstehen falsche Erwartungen, und aus falschen Erwartungen entsteht Enttäuschung. Mit etwas Vorarbeit läßt sich dieses Risiko vermindern.

Im Cheetoism-Blog findet sich ein schöner Fragebogen, den die Spieler beantworten sollten. Dieser Bogen beinhaltet:

Spielstil

Bewerte jedes der folgenden drei Wortpaare mit Punkten. Je mehr Punkte du auf einen Spielstil verteilst, desto wichtiger ist er dir im Spiel. Für jedes Wortpaar bekommst du vier Punkte. „Cinematisch (1), Realistisch (3)“ würde beispielsweise bedeuten: „größtenteils realistisch“.

* Cinematisch — Realistisch: Wie leicht sterben Charaktere? Können sie überhaupt sterben? Gelten die Naturgesetze im Abenteuer? Hong Kong-Action ist zum Beispiel cinematisch, Millenium’s End ist realistisch.

* Hack — Schauspiel: Im Hack-Spiel geht’s weniger um die Tiefe des Charakters, im Schauspiel dagegen sehr. Hack-Charaktere sind eher flach und kämpfen gegen äußere Bedrohungen, während Schauspiel-Charaktere tiefgehend sind und sich eher mit inneren Konflikten auseinandersetzen. „The King of Queens“ ist Hack, Forrest Gump ist Schauspiel.

* Komik — Drama: Gelächter gegen Tränen, Kaspereien gegen Ernsthaftigkeit. Paranoia ist Komik, Pendragon ist dramatisch.

Was passiert wie oft

Bewerte jede der folgenden Optionen mit 1 bis 4 Punkten. „1“ bedeutet „passiert so gut wie nie“, „4“ heißt „passiert ungefähr in jeder Sitzung“.

* Action & Kämpfe: Die müssen nicht bis zum Tod gehen, hier geht’s nur um die Häufigkeit.
* Aufbauen: Die Charaktere bauen im Laufe einer Kampagne etwas auf, das sie überdauern wird (Geheimorganisation, Stadt, usw)
* Charakter: Persönlichkeit und Beziehungen zu anderen stehen im Vordergrund.
* Macht: Verbesserung der eigenen Fertikeiten und Eigenschaften
* Zerstörung: Das Gegenteil von „Aufbauen“. Die Charaktere versuchen, etwas zu zerstören.
* Entdeckung: neue Dinge, neue Erlebnisse, neue Ländereien. Auch Sandbox-Spiele gehören hier rein.

Wie’s gemacht wird

Gib dem SL einen Hinweis darauf, welche der folgenden Fertigkeiten du deinen Charakter gerne einsetzen lassen möchtest. Das gibt deinem SL die Chance, sich Dinge auszudenken, die interessant für dich interessant sind.

Athletik, Kampf, Kommunikation, Herausfinden, Fahren, Bauen & Basteln, Einbrechen, Magie, Medizin, Überreden, Lehren, Natur

Deine Lieblinge

Schreibe hier deine persönlichen Favoriten auf:
* Film:
* Fernsehserie:
* Roman:
* Sachbuch:

 

Bitte Vorsicht

Die meisten Spieler bewerten „Charakter“ als wichtig, auch wenn sie selbst astreine Munchkins sind, die eigentlich „Macht“ höher bewerten sollten. Das hat damit zu tun, daß sie, wenn sie nicht spielen, darüber nachdenken, wie interessant es wäre, etwas tiefer in den Charakter einzusteigen. Sobald sie aber am Tisch sitzen, verändert sich ihr Verhalten… deshalb kann dieser Fragebogen auch immer nur ein Anfang sein, eine Art Momentaufnahme, die dem SL hilft, seine Mitspieler etwas näher kennenzulernen.

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4 Antworten zu “Hörst du auf deine Spieler?

  1. Danke für den Hinweis auf den Fragebogen!
    Das Ergebnis kann wahrlich recht aufschlussreich für die Spielleitung sein. Ich werde es ausprobieren…

  2. Meine Erfahrung beim Vorbereiten und Spielen von Abenteuern ist, dass Spieler sich auf sehr verschiedenartige Abenteuer einlassen und mit Begeisterung dabei sind, wenn bestimmte Mindestvoraussetzungen erfüllt werden:

    Eine lebendige Welt mit interessanten Orten, NSC und Ereignissen.
    Das Vorhandensein von Handlungsoptionen für die SC/Spieler, die das Spiel weiterbringen.

    Den Fragebogen würde ich eher für die Wahl eines passenden Spielsystems heranziehen.

    Und weil ich es mal wieder nicht lassen kann: Mein ausgefüllter Test.
    Was würdest du denn für mich vorbereiten, Norbert?

    * Cinematisch — Realistisch ***
    ** Hack — Schauspiel **
    * Komik — Drama ***

    Action & Kämpfe **
    Aufbauen **
    Charakter **
    Macht **
    Zerstörung **
    Entdeckung ****

    Diplomatie, Recherche, improvisiertes Bauen & Basteln,
    Rest = variabel

    * Film: Die große Stille, Fight Club
    * Fernsehserie: Catweazle, M.A.S.H.
    * Roman: Der Proceß
    * Sachbuch: Diercke Weltatlas (?)

    • Der Fragebogen ist nicht dafür gedacht, Systeme auszuwählen, du Schlingel. Er dient zur Feststellung der Vorlieben meiner Mitspieler, damit ich sie ins Spiel einbauen kann. Nehmen wir beispielsweise an, wir würden Fantasy spielen, sagen wir auf dem Aventurien der Erstauflage.

      Du möchtest es gerne überwiegend realistisch, das heißt (und darüber könnten wir diskutieren), daß nach zwei bis drei Schwerttreffern gegen deine Lederrüstung Schluß ist. Zusätzlich würde ich Krankheitsregeln und anderes Hartwurstiges verwenden.

      Du möchtest gerne Klischee und Schauspiel in ausgewogenem Verhältnis haben, also würde ich zusehen, daß sich Kämpfe gegen Monster/Gegner und innere Konflikte die Waage halten.

      Dir liegt es am Herzen, ernsthaft zu spielen, also würde ich mich mit komischen Momenten stark zurückhalten.

      Am wichtigsten ist dir Weltenentdeckung, also viel Exploration (hier fällt mir spontan Earthdawn ein), alles andere sollte sich die Waage halten.

      Wie gesagt, das gibt mir einen ersten Überblick über deine Vorlieben im Spiel. Ich glaube beispielsweise, daß deine Vorlieben relativ weit von meinen entfernt sind, weil ich Actionfilmästhetik und -logik sehr hoch halte, trotzdem aber persönliche Dramen liebe. Exploration ist mir persönlich eher egal.

      Trotzdem könnte ich keine Aussage über das Spielsystem treffen. 😉

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