Auf Wiedersehen, Scribus.

… und herzlich willkommen, iWork! Mi casa, su casa.
Was habe ich nicht alles probiert, nachdem ich vor einigen Jahren meinen Journalistenberuf an den Nagel gehängt hatte. Um die Tätigkeit tut es mir nicht leid, sondern um das beste und wunderbarste Layout-Werkzeug, das es gibt auf der Welt: Quark Xpress. Das konnte ich natürlich nicht mitnehmen, und deshalb machte ich mich auf die Suche nach Alternativen.

Irgendwann war ich dann bei Scribus für den Mac angekommen. Das ist Open Source und schimpft sich professionell. Es ist in der Hauptsache allerdings eines: nervtötend. Scribus ist langsam, kompliziert und verschweigt so Kleinigkeiten wie etwa die, daß es bei OpenType-Schriftarten die Ligaturen nicht darstellen kann. Was extrem schlecht ist, wenn man wie ich ein Fontfan ist und beispielsweise schon mal 70 Euro für eine wunderbare Schriftart mit mehr als 900 Ligaturen ausgegeben hat.

Gestern dann wurde es mir zu viel. Ich plane gerade, auf unregelmäßiger Basis ein gedrucktes Mini-Fanzine anzustoßen (eher ein in der Mitte gefaltetes A4-Blatt), und ich möchte vor der alten Fanzinetradition aus den 60ern meinen Hut ziehen, indem ich als Schriftart Suomi Hand benutzen, eben jene Schriftart, die es durch Ligaturen schafft, tatsächlich auszusehen wie echte Schreibschrift, komplett mit sich verändernden Buchstabenformen.

Ich schmeiße also Scribus an, und danach gleich ein zweites mal, weil die Software abgeschmiert ist. Hmgr. Dann gestalte ich eine Lorem Ipsum-Seite mit Suomi Hand und muß feststellen, daß Scribus keine einzige Glyphe erkennt, keine einzige. Grrrrr. Ich versuche es in Open Office — geht. Na super, ein Textverarbeitungsprogramm kann’s, aber das „professionelle Open Source-Produkt“ kann’s nicht. Respekt.

Suomi Hand in Scribus. Weil die Ligaturen (Verbindungen zwischen den einzelnen Buchstaben) nicht funktionieren, wird es ein 08/15-Font wie jeder andere.

Und so sieht Suomi Hand aus, wenn die Ligaturen dargestellt werden: natürlich, weil die Buchstaben der Schreibschrift sich in Abhängigkeit der vorhergehenden und nachfolgenden Buchstaben verändern.

Dann geschah eine stundenlange Odyssee durch verschiedenste DTP-Programme für den Mac. Klar, inDesign und Quark sind die besten, aber ich gebe keine 700 Euro für meine paar Publikationen aus, die ich im Jahr mache. Wieder und wieder herbe Enttäuschungen.

Und dann stoße ich plötzlich auf Pages. Diese Software ist Teil der iWork-Suite für den Mac, und ich hielt sie immer für ein Bastelprogramm für geschmackslose Geburtstagskarten und dergleichen mehr. Aber… weit gefehlt. Das Ding ist ein Zwitter aus Textverarbeitung und Amateur-DTP-Programm, aber mit all den Funktionen, die man für ein schnelles Layout braucht, das nicht hunderte Seiten umfaßt. Wow. Ich bin platt.

Und eben vorhin habe ich gerade versucht, Tabellen in den Fließtext einzubauen. Mit Scribus ein Schmerz im Arsch. Und mit Pages? Kinderspiel. Sogar die Farben der Zeilen variiert es automatisch durch, wenn der Benutzer es will. Mein Sonntag ist gerettet. Ich nutze jetzt noch die 30 Tage kostenlose Testphase aus, dann kaufe ich’s mir. Für 79 Euro.

Hier noch schnell eine Beispielseite mit einer Tabelle, ohne viel Schnörkel in ein paar Minuten erstellt:

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6 Antworten zu “Auf Wiedersehen, Scribus.

  1. Sonst gibt es von Adobe auch noch die Fassung von InDesign für nichtkommerzielle Nutzung, die deutlichst unter den 700 Schleifchen bleibt. Aber, IIRC, über 79€.

    • Danke für den Tip, Karsten. 🙂
      Ich komme zumindest momentan sehr gut mit Pages klar. Gefällt mir wirklich.

  2. Die „nichtkommerzielle“ Indesign Variante erfordert aber einen Lehr- oder Lernnachweis – Studiausweis, Schülerausweis etc – a „painintheass“ in der Registrierung und vieles mehr, das einem die Lust vergehen läßt.

    Als alter (ehem Quark jetzt) Indesign-Hase kann ich dir nur zu deiner Wahl gratulieren – iwork und auch seine Vorgänger bishin zu ClarisWorks sind viel und häufig unterschätzte Perlen.

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