Momentaufnahmen eines Runs

Der Wachmann ist zu langsam. Mein Kopf knallt mit voller Wucht auf seine Nase. Ich sehe, wie er zusammensinkt.

Drüben an der Esche des Lebens sitzt der Affenmann, hoch oben auf einem Ast. Von Zeit zu Zeit wirft er Steine in die Menge. Nur daß die Steine in Wirklichkeit Elektroschockgranaten sind.

Die Schnellfeuerpistole tackert eine bogenförmige Linie in das Synthplast der Wand, dabei säbelt sie den Arm des Solos in der Mitte durch. Doch der Mann ist so voller Adrenalinbooster, daß er nur ein wütendes Grunzen zustande bringt.

Als ich den Körper der Wache leise zu Boden gleiten lasse, sehe ich hinter mir eine Bewegung. Ich greife mit beiden Händen die Ruger des Bewußtlosen, die er immer noch in seiner Hand hält. Richte den Lauf neben mich nach hinten und reiße den Abzug durch. Bamm. Ein Körper fällt. Bamm. Das Pfeifen in meinen Ohren ist unerträglich. Bamm. Bamm. Bamm. Bamm. Das leere Klicken der Pistole fühle ich. Erst dann drehe ich mich um.

Guter Mann, der Schwede. Allerdings ist es seltsam, daß sein Eisbrecher so intelligent ist. Fast schon zu intelligent. Ich konzentriere mich wieder auf die Szene vor mir und hoffe, daß die beiden anderen Solos gut genug sind, um mich zu schützen. Das Eis der Firma sieht aus wie eine schulterhohe Dogge.

Der Affenmann klettert mit dem Kopf nach unten aus der Baumkrone. Sein Gesicht eine weiße blutleere Maske, sein Körper 80 Kilo laborgezüchtete sehnige Kraft. Die Adern und Venen in seinen Armen sehen aus wie aufgeklebte fingerdicke Kabel. Als eine Konzernwache mit erhobenem Taser vor ihm steht, hebt er die Hände. Sein Grinsen entblößt angefeilte Eckzähne. Mit einem Satz springt er sein Gegenüber an. Er macht sich nicht die Mühe, den Taser zur Seite zu drücken, weil er weiß, daß er viel schneller ist. Etwas knackt, und der Körper fällt zur Seite. Der Kopf des Mannes schaut fast nach hinten.

Ich sehe, wie um mich herum die Solos aktiv werden. Die Dogge starrt mich an. Auf ihrem Halsband steht der Name des Konzerns. Ich fahre den Eisbrecher vom Schweden ganz hoch, leere meinen Arbeitsspeicher und strecke dem Programm die Hand hin. Funken tanzen auf meiner Handfläche. Die Dogge schnüffelt. Ich sehe, wie einer der Straßensamurai eine Konzernwache zu einem blutigen Haufen zerschießt. Zeit, von hier abzuhauen. Die Dogge starrt mich immer noch an. Dann wedelt sie mit dem Schwanz und löst sich in Bildpunkte auf, die sich zum dreidimensionalen Abbild einer Computerdiskette aus dem 20. Jahrhundert zusammensetzen. Ich nehme sie. Endlich.

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2 Antworten zu “Momentaufnahmen eines Runs

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