Risus: erzählen, dann würfeln? Oder würfeln, dann erzählen? Oder beides?

Risus ist ja ein relativ traditionelles Rollenspiel, wenn man von der goldwerten Erfindung der Klischees mal absieht. Also, der Spieler sagt, was sein Charakter machen will, dann wird gewürfelt, und das Ergebnis entscheidet, ob sein Vorhaben geklappt hat oder nicht, und dann wird abschließend festgelegt, wie alles genau abgelaufen ist. Das nannte man vor ein paar Jahren in der Indieszene noch „fortune in the middle“, und bezeichnete es als Standard-Vorgehen traditioneller Rollenspiele.

Dann aber machten einige Traditionalisten (ich war auch einer von ihnen) drauf aufmerksam, daß beispielsweise „Tunnels&Trolls“, das gewissermaßen zweitälteste Rollenspiel der Welt, es seit seiner allerersten Ausgabe genau andersrum praktiziert: zuerst würfeln, dann erst erzählen, was passiert ist.

Risus fällt, wenn man sich die Regeln durchliest, in die Kategorie des „fortune in the middle“. Mir fällt aber auf, daß wir eigentlich seit Beginn unserer Freiform-Zeit 1991 immer schon Vorher- und Nachherbeschreibungen mischen, wenn wir mit Würfeln spielen. Ich kann mir vorstellen, daß so was bei vielen Runden der Fall ist, die schon längere Zeit miteinander spielen.

Also beispielsweise:
Wir benutzen die „Best of set“-Regel aus dem Risus Companion: vereinfacht gesagt, von allen gewürfelten Würfeln des Klischees zählt nur der mit dem höchsten Ergebnis.

Ein „blutrünstiger Barbar aus den Nordlanden (3)“ kämpft gegen einen „bösen Zauberer (3)“.

(Der Barbar würfelt 1,2 und 4. Der Zauberer würfelt 2,5 und 6 und gewinnt damit diese Runde. Der Barbar verliert einen Würfel.)

Zauberer: „Bevor diese schmutzige Dreingabe sein Schwert ziehen kann, blende ich ihn mit einem schnellen Manablast ins Gesicht!“

Barbar: „Ich schreie vor Schmerzen! Dieser Bastard wird dafür bezahlen, das schwöre ich! Mit einem hasserfüllten Knurren springe ich ihm an die Kehle. Ich brauche kein Schwert, um diesen Feigling zu töten! STIIIIIRB!“

(Barbar würfelt 2W6 und schafft 2,6. Zauberer würfelt 3W6 und schafft 1,3,4. Barbar gewinnt, Zauberer verliert einen Würfel.)

Barbar: „Haaah! Jetzt hab dich, du Hundesohn!“

Zauberer: „Ich versuche, seine Hände von meiner Kehle wegzubringen! Aaaaaah!, schreie ich“

(Barbar würfelt 1,6. Zauberer würfelt 4,4)

Barbar: „Nix da, du Bastard! Ich drücke noch härter zu, und jetzt sitze ich auch noch auf seiner Brust.“

Zauberer: „Autsch. Schlägst du zu?“

Barbar: „Hey, gute Idee! Ground and pound, das mache ich!“

(Barbar würfelt 2,5. Zauberer würfelt 3,5. Ein Unentschieden)

Zauberer: „Du triffst mich zwar im Gesicht, aber ich kann den Schlägen einigermaßen die Wucht rausnehmen.“

Barbar: „Dann schlag ich dich einfach noch härter, mein Freund!“ (lacht)

Zauberer: „Gib’s mir, Kumpel.“

(Barbar würfelt 2,3. Zauberer würfelt 2,5. Zauberer gewinnt, Barbar verliert einen Würfel)

Barbar: „Aaaaah! Was machst du?!“

Zauberer: „Ich habe meinen Dolch gezogen und dich in die Niere gestochen. Du verläßt diesen Ort nicht lebendig, du dreckiger Landstreicher!“

(Barbar würfelt 1W6, schafft 4. Zauberer würfelt 2W6, schafft 5,5. Zauberer gewinnt)

Barbar: „Ich spüre einen scharfen, stechenden Schmerz in meiner Seite.“

Zauberer: „Deine Sicht verschwimmt, und die Welt um dich herum beginnt sich zu drehen. Als du nach unten siehst, merkst du, daß ich einen blutigen Dolch in meiner Hand halte. Sieht so aus, als hätte ich dich nochmal damit getroffen!“

Barbar: „Du verräterische Schlange! Ich greife mir an die Wunde, dann breche ich leblos zusammen.“

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