Aber du spielst das falsch

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Stellen wir uns vor, wir spielten Risus (von dem übrigens, juhuu!, am 25. Dezember die zweite Auflage rauskommen wird). Und stellen wir uns vor, es sei ein Old School-Fantasy-Spiel. Und stellen wir uns vor, wir spielten Risus falsch! Schockschwerenot!

Unser hypothetischer Charakter, erstellt mit fünf Würfeln:

walhalla-rising-1-Walha
Zosa Hakumbin,
schwingt seine Axt, als hätte er sein Leben lang nichts anderes getan (3),
sein Ruf eilt ihm voraus (2)

Jetzt nimmt das Drama seinen Lauf.
Ein anderer Rollenspieler, der auch Risus spielt (aber nicht mit uns), sieht den Charakter. Und nimmt Anstoß daran:

„Was du hier formuliert hast, sind keine Risus-Klischees! Klischees werden so formuliert: Sie beinhalten immer eine Person, die etwas Klischeehaftes ausübt.“

Oha. Ein Klugscheißer.
Ich antworte:

Erstens: Schauen wir uns doch mal an, was „Klischee“ eigentlich bedeutet. Es kommt aus dem Handwerk, genauergesagt, aus dem Druckerhandwerk. Dort steht es für den Druckstock, der das Motiv auf den Träger druckt. Übertragen gesprochen ist ein Klischee also etwas, das immer gleich aussieht, genau wie das Ergebnis beim Drucken: ein Abklatsch, ein (zu) oft gebrauchtes Wort oder Metapher. Das ist ein Klischee.

Zweitens: Wenn jemand jetzt also behauptet, daß ein Klischee nur dann ein Klischee ist, wenn es eine Person angibt, die etwas Klischeehaftes tut, dann müßte ich meinen Charakter so umformulieren:

Zosa Hakumbin,
erfahrener Axtschwinger (3),
Mann mit einem Ruf, der ihm vorauseilt (2)

Drittens: Ernsthaft? Merkt hier jemand, wie LANGWEILIG das klingt?
Mit Verlaub,

wer Regeln einführt und/oder beachtet, die das Rollenspiel langweiliger machen, hat Unrecht.

Und außerdem: Erinnern sich die Risus-Regelfüchse vielleicht an den Spruch, den Autor S. John Ross seit gefühlten acht Milliarden Jahren immer wieder verbreitet: „There is no wrong way to play Risus“? Und natürlich trifft diese Weisheit auf alle anderen Systeme auch zu.

There is no fucking way to play it wrong.

Bei derlei Diskussionen — „du spielst (xyz) falsch“ kann ich eigentlich nur eines:

lol
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8 Antworten zu “Aber du spielst das falsch

  1. Ich kann durchaus verstehen, wie sich jemand Kraft geschriebener Regeln auf „falsch“ oder „richtig“ festlegen mag. Vermutlich würde ich nicht schimpfen oder verzweifeln, sondern den Menschen rhetorisch an die Hand nehmen und ihm zu verdeutlichen suchen, was das *Wesen eines Spieles*, also auch eines Rollenspieles ist. Und das Autoren das nicht nur (notgedrungen) billigen…

    • Danke für deine Antwort, Markus. Du sprichst mir aus dem Herzen. Mir ist heute nicht nach an-die-Hand-Nehmen, deshalb schimpfe ich 😉

      Die Reaktionen auf diesen Artikel auf Google+ sind ebenfalls sehr interessant…

  2. Wenn man eine Regel designt, dann sollte man dem (potentiellen) Spieler auch verdeutlichen, wozu diese Regel gedacht ist. Bei Risus soll der Bezug auf das handelnde Subjekt wohl verhindern, dass die Spieler einfach (langweilige) Fertigkeiten aus anderen Rollenspielen als Klischees nehmen.

    Dass diese Regel nicht immer diesen Zweck erfüllt, hast du ja schon festgestellt.

    Daher mein Korollar: Schreibe kein Rollenspiel, wenn du nicht mit Sprache umzugehen verstehst.

    • Hi Chris,
      John Ross würde ich jetzt aber nicht zum Kreis derjenigen zählen, die nicht mit Sprache umzugehen wissen… der gute Mann hat für Guardians of Order, Flying Buffalo, Avalon Hill, Last Unicorn, Hero Games, Wizards of the Coast und Steve Jackson Games geschrieben…

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