Rote Fantasy: Kumquat Tattoo

"Red Desert" (c) by elaszer

„Red Desert“ (c) by elaszer

Ich weiß, Kumquat Tattoo ist nun wirklich nicht das neueste Setting. Und, oh je, für Risus ist es obendrein, was geschätzte 80 Prozent der selbstdeklarierten „ernsthaften Rollenspieler“ davon abhalten wird, es sich überhaupt nur anzusehen.

Dabei ist Kumquat Tattoo wirklich eines der geilsten Sword&Sorcery/Sword&Planet-Settings, die ich kenne. Und das, Risus-üblich, knackig und kurz verpackt. Ah ja, für alle diejenigen, die Risus immer noch für ein Beer&Pretzels-Spiel halten: Diese Zeit ist lange vorbei. Risus ist ein vollwertiges System, sowohl für Comedy (wenn man denn möchte), als auch für ernsthafte Spiele.

"City", by Waspino

„City“, by Waspino

Aber zurück zu Kumquat Tattoo.

Auto James D. Hargrove nennt es „fucking metal fantasy“, und damit trifft er den vibe berühmter Fantasysettings wie etwa Barsoom ziemlich genau. „Vorhesia“ heißt die Kumquat Tattoo-Version, und ein Blick auf die Klischee-Vorschläge gibt die Richtung an:

Ingenieure, Geologen, Stumme Klingen, Aufseher, Politicos, Söhne der Säge, Leibeigene

Moment mal, was, „stumme Klingen“?
Jepp. Das sind die Krieger. Aber aufgedreht auf 11. Stumme Klingen sprechen nie. Kein Wort. Ihr ganzes Leben. Ach ja, und wenn sie getötet werden, haben sie drei Klischeewürfel (3w6), um gegen Zielzahl 8 zu bestehen. Wenn sie das schaffen, wachen sie wieder auf und leben weiter. Die anderen Charaktere übrigens auch. Nur daß die zu Untoten („Hungrige Tote“) werden, wenn sie keine stummen Klingen sind. Und jede Nacht, wenn der Mond grausam am Himmel steht, wachen sie auf.

Söhne der Säge? WOT?
Eine Art Priesterschaft… der Säge. Sie kämpfen mit Kettensägen. Und predigen das Gesetz der Säge.

Schöne Details in den Regeln

Von KT habe ich auch die Idee für „Heavy Metal“-Aktionen in meinem Risus-Fantasy-Spiel Helden&Abenteuer. Wenn ein Spieler eine besonders coole Aktion beschreibt, bekommt er vom SL einen bis drei Extra-Würfel für diese Probe. Richtmaß ist dabei die Reaktion der anderen Spieler am Tisch.

Magie gibt es auch, aber mein Gott, was für eine. „Anthropomantie“ hört sich nett an, ist aber ein Klischee, das eher an Carcosa erinnert als an brave Fantasy-Massenware. Hier geht es um dunkle Magie, um blutrünstige Rituale — und der Anthropomant bekommt pro halben Liter Opferblut eine Erleichterung auf seine Magieprobe. Das gleiche gibt’s, je höher der Schaden ist, den er anrichtet. Die interessante Folge ist, daß Anthropomantie den Anwender fast automatisch immer unmenschlicher macht. Wenn es viel leichter ist, Tod und Verderben zu hexen, warum sollte man sich anstrengen?

Die Welt

Vorhesia. Zwei Sonnen. Über 50 Grad Celsius. 36-Stunden-Tage. Beherrscht wird Vorhesia vom Haus Warden. „Leben ist ein Privileg, kein Recht“. Staatstaaten. Wilde Siedlungen. Unterstädte. Äonenalte Götter, denen menschliche Belange völlig egal sind — vielleicht auch, weil sie sie nicht verstehen. Wer hier nicht auch mal kurz an Cthulhu denkt, hat zu wenig Lovecraft gelesen.

Fazit: Kumquat Tattoo. Holt es euch.
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2 Antworten zu “Rote Fantasy: Kumquat Tattoo

  1. Falls mir irgendwann einer den vorgeblichen Zusammenhang zwischen Metal und Fantasy – über kitschige Cover und erbrochene Lyrik hinaus – erklären könnte, wäre ich dankbar.

    „Auto James D. Hargrove nennt es “fucking metal fantasy”, und damit“ sagt er genau was? Richtig. Gar nix.

    Wenn ich mir Bilder ansehe, habe ich Honegger im Kopp oder auch Strawinski und Shostakovich. Aber grobschlächtiges Gitarrenschänden? Nur wenn Simon Dunkle inszeniert, und dann interessiert es nicht.

    • Kann ich dir als Metal- und Fantasy-Fan gerne erklären 😉

      Metal ist eine meist harte, gitarrenlastige Musikrichtung. Sanftheit ist nicht ihr Ding.

      „Erbrochene Lyrik“ und „grobschlächtiges Gitarrenschänden“, sagst du, und ich halte dagegen: falsch!

      Gerade Metal (bei weitem nicht alle Bands, natürlich) kann unglaublichen Tiefgang und musikalische Finesse haben — hier empfehle ich dir beispielsweise mal Opeth oder Tool. Was gesangliche Finesse angeht, die Sängerin von Nightwish, beispielsweise, ist ausgebildete Sopranistin und singt auch auf Opernfestspielen.

      Fantasy, oder hier besser: Sword&Sorcery, hat eine sehr vergleichbare Rohheit, und die Motive sind sehr oft deckungsgleich mit denen des Metal: Helden, Ehre, Konflikt, Götter — und zwar aus Sicht eines Helden, der oftmals moralisch zwiespältig ist.

      Wenn Hargrove also von Fantasy spricht, meint er Sword&Sorcery und nicht etwa High Fantasy.

      „Metal“ ist, wie wir gesehen haben, eben das: rauhbeinig, grob, aber trotzdem, so man will, mit Tiefgang.

      „Fucking metal fantasy” ergibt also absolut Sinn.

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