Sexismus am Spieltisch: Wo wir sind, da ist oben

Viele Moralapostel im Rollenspielbereich sind oft sehr laut.
Die Lautstärke täuscht oft über den fehlenden Inhalt ihrer Botschaften hinweg.
Im speziellen, ganz aktuellen Fall: Sexismus am Spieltisch.

Bevor ich meine Behauptungen weiter ausführe, eine kurze Vorgeschichte:

Der gute Zak S. veröffentlichte vor einigen Tag einen hervorragenden Artikel, warum er im Zeitalter der Videospiele noch immer D&D spielt (der Link führt euch zur deutschen Übersetzung).

Prompt ließen die negativen Reaktionen nicht lange auf sich warten: Was, Zak S. schon wieder? Der Typ ist doch ein Pornodarsteller, was will der uns denn von Gleichberechtigung am Spieltisch erzählen? Der umgibt sich doch nur mit den vollbusigen Frauen, weil er geil auf sie ist!

Woraufhin ich auf Google+ schrieb:

Die hübschen Frauen sind Freundinnen und Kolleginnen von Zak, eine davon sogar seine Partnerin. DAS ist der Grund, warum sie zusammen spielen, und nicht, weil sie gut aussehen und/oder Brüste zeigen. Sexismus? Jetzt hört doch mal auf mit dem Scheiß.

Die gesamten „Diskussion“ (eigentlich ein Bashing gegen die Leute, die es gewagt hatten, anzudeuten, daß sie es auch mal ganz cool fänden, mit gutaussehenden weiblichen Pornostars D&D zu spielen) war geprägt von bizarren Thesen, etwa:

Sexism = die Frauen sind hübsch/sind Pornostars DESWEGEN will ich mit denen spielen.
Das ist Reduzierung auf äußere Merkmale. 

oder

„sehen gut aus -> will mit denen spielen“. Das ist das Problem.

oder (Achtung, anschnallen)

„Ich will gerne mit denen spielen nur weil sie sexy sind“ ist durchaus sexuelle Gewalt, wenn ich das bisher richtig verstanden habe. 

Fassen wir kurz zusammen: Es ist also laut Aussage mancher Moralapostel sexistisch, wenn Rollenspieler mit Menschen spielen wollen, weil sie hübsch oder Pornostars sind.

Ich wollte derlei Weltfremdheit nicht ganz glauben und schickte selbst einen Post auf das deutsche Google+-Rollenspielerforum:

Bezugnehmend auf Zaks guten Artikel in der Vice: Ich spiele lieber mit gutaussehenden und/oder gepflegten Frauen und Männern als mit schlechtaussehenden und/oder ungepflegten.

Wer so was als Sexismus bezeichnet, hat nicht den Hauch einer Ahnung, was dieses Wort überhaupt bedeutet. Die alte Regel greift wieder mal: zuerst recherchieren, dann erst schreiben…

Und prompt kam die Empörungsmaschine wieder in Gang: Sexistisch sei das vielleicht nicht, aber… asozial!

Lassen wir uns mal diesen Gedankengang auf der Zunge zergehen: Ich bin also asozial, weil ich lieber mit Menschen spiele, die gut aussehen oder die Körperhygiene haben oder sogar beides zugleich.

Im Umkehrschluß also: Weil ich ungern mit Menschen spiele, die beispielsweise stinken, bin ich asozial. Eine geradezu revolutionär neue Interpretation dieses Wortes.

Aber es ging natürlich weiter: Als ich nachhakte und den Kommentatoren nachwies, daß sie nicht richtig lesen, sich aber persönlich angegriffen fühlen und dann sofort persönliche Angriffe (siehe „asozial“) starten, löschte der Moderator meinen Beitrag.

Gut, das war zu erwarten — es ist häufig so, daß die lautesten Schreier zu faschistischen Mitteln (Redeverbot) greifen, wenn sie ihre Behauptungen erklären und belegen sollen. Aber daß es so schnell ging, erstaunt mich trotzdem.

Dieser Vorfall zeigt, wie es um die Diskussionskultur in den deutschen Rollenspielforen steht: richtig schlecht. Die vermeintlich moralisch Überlegenen diktieren den anderen, was korrekt gedacht wird. Andere Meinungen, vor allem kritische, werden, so gut es geht, gelöscht. Herzlichen Glückwunsch.

Ah ja, und noch eine Begriffsklärung zum Schluß. Sie stammt von Prof. Julia Becker, Sexismus-Forscherin an der Uni Osnabrück:

„Sexismus ist, wenn eine Person aufgrund ihres Geschlechts negativ bewertet wird.“

Sexismus ist NICHT, wenn jemand lieber mit gepflegten Menschen rollenspielt als mit ungepflegten. Oder mit Menschen, die er sexy findet.

Advertisements