Rollenspielkarneval: Ich liebe dich. Aber nicht im Spiel.

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Sie: „Sweetheart, wenn du nochmal einen Kritischen würfelst, werde ich dich nach dem Abendessen erschießen.“ Er so: „Oho!“

+Karsten ruft zum neuen Rollenspiel-Karneval auf. Das Thema: Romantik & Liebe.

Romantik und Liebe sind schön. Das weiß natürlich jeder, aber ich lege gewissermaßen mein professionelles Pfund obendrauf und bekräftige das nochmal lauthals: Jawohl, Romantik und Liebe — schön!

Und trotzdem finden sie in meiner Rollenspielrunde nicht statt.

Nicht etwa, weil es uns an Gelegenheiten mangelt, diese Themen darzustellen. Nein, in unseren Spielen mißachten wir Romantik und Liebe mit voller Absicht. Wenn überhaupt, kommen sie nur als Nebendarsteller vor. Und, um eine vielbemühte Plattitüde zu zitieren, das ist auch gut so. Warum?

Grund 1: Wir sind alte Säcke.
Das Durchschnittsalter unserer Gruppe liegt bei knapp über 40 Jahren. Wir sind alle in festen Beziehungen (die meisten, so auch ich, verheiratet) mit und ohne Kinder. Ich könnte mir vorstellen, daß wir, wären wir jünger, eventuell (und das ist ein sehr großes „eventuell“) mehr Interesse daran hätten, Liebesgeschichten auszuspielen. Für mich schwingt bei diesem Thema immer auch ein bißchen Sehnsucht mit. Und Sehnsucht nach einer Liebesgeschichte habe ich zum Glück nicht — meine Frau ist das Beste, was mir jemals widerfahren konnte.

Grund 2: Das echte Leben ist viel cooler.
Für mich persönlich, als Selbständiger/freier Geistlicher, der unter anderem sein Geld mit freien Hochzeitszeremonien verdient, sind das echte Leben, echte Liebesgeschichten und echte Dramen um ein Vielfaches spannender, dramatischer und schöner als jeglicher Rollenspielplot.

Grund 3: Ohne Drama keine Liebesgeschichte, oder: Misery Porn.
Seien wir ehrlich: Liebesgeschichten sind eher langweilig, wenn die Ungewißheit fehlt. Romeo & Julia ist nur deswegen schön, weil es eben alles andere als sicher ist, daß die beiden zusammenkommen und -bleiben. Liebe und Romantik im Rollenspiel sind nur dann spannend und spielenswert, wenn sie unter dramatischen Umständen stattfinden.

Deswegen werden ins Spiel allerlei Komplikationen eingebaut, um überhaupt eine spielenswerte Geschichte zustande zu bekommen. Oder überspitzt ausgedrückt:  Die Spieler ergötzen sich am Leid ihrer Charaktere. Je schlimmer, je aussichtsloser, je dramatischer, desto intensiver das Spielerlebnis. Misery Porn in reinster Form.

Und Misery Porn ist genau das, was ich nicht am Tisch und nicht im Spiel haben möchte. Für mich ist Rollenspiel zwar ein sehr wichtiges Hobby, aber trotzdem nur eines von vielen. Hier spreche ich auch für meine Gruppe. Wir treffen uns, um mit unseren Charakteren Abenteuer zu erleben, nicht um tiefschürfende persönliche Probleme zu bespielen. Meinetwegen kann   die Charaktertiefe auch mal schön vor der Tür liegen bleiben. Egal. Hauptsache, es rappelt ordentlich.

Drachen töten, unbekannte Länder bereisen, Prinzessinnen retten, Verschwörungen aufdecken, Monster besiegen, Zaubersprüche schleudern, saufen, raufen und Maschinenpistolen ballern, bis die Sonne untergeht. Wer sich als Letzer abseilt, darf unten das Blut aufwischen.

Statt Misery Porn also: Action Porn. Und weil wir große Fans von Actionfilmen aus Hong Kong, Korea und Bollywood sind, kommt bei uns auch Nicht-Action ausreichend zum Zug. Sie darf nur nicht den Hauptanteil ausmachen. Romantik und Liebe sind Nebendarsteller. Die große Gage kassiert die Action. Darauf drei Salutschüsse. Aus 20mm-Kanonen. Bestückt mit Explosivmunition.

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6 Antworten zu “Rollenspielkarneval: Ich liebe dich. Aber nicht im Spiel.

  1. Ja, da ist was dran. Auch ich mag „Abenteuer“ (OKay, nicht 100%ig deckungsgleich mit Actionporn …) als Hauptspielinhalt, Liebe & Romantik sind höchstens Nebendarsteller.

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